Charging Station for Electric Vehicles

Nachhaltigkeit bei Sonderschutzfahrzeugen – Ist das möglich?

Schon vor über einer Dekade titelten deutsche Tageszeitungen reißerisch: „Eine skandalöse Verschwendung“ zum konstruierten Dienstwagenskandal Ulla Schmidts. Das Thema wurde seitdem dankbar von Oppositionen, Umweltverbänden und Medien immer wieder ins Licht gerückt. Die Kernaussage darin: Politiker und Wirtschaftsbosse fahren Spritschleudern und schädigen so die Umwelt.

Die Wirtschaft und Politik macht es aber bis heute umweltbewussten Bürgern leicht, den Finger in die Wunde zu legen. Nach wie vor gibt es wenig Zurückhaltung und Innovation in den Flotten. Doch wo kann hier sinnvoll angesetzt werden?

Fahrzeuge, die keinen Schutzauftrag zu erfüllen haben, rein repräsentativ Ihre Insassen von A nach B transportieren und oft nur der Eitelkeit dienen, müssen sich in der Tat einen kritischen Blick unter Motorhaube und Blechkleid gefallen lassen. Die Zeiten der Rolls Royce fahrenden, zigarrenrauchenden Patriarchen ist längst vorbei, zumindest deren gesellschaftliche Akzeptanz. Will eine Firma oder Partei ein positives Bild in der Öffentlichkeit abgeben, sollte der Umweltschutz heute wirklich verstanden und gelebt werden. Wie ist das aber nun bei Menschen, die mehr von einem Fahrzeug erwarten müssen als die reine Beförderungsleistung? Ein mobiles Büro, Schutz, den Transport sicherheitsrelevanter Ausrüstung oder gar die Kombination all dieser Punkte?

Fahrzeuge die dem Schutz von Menschenleben dienen, haben eine Vielzahl technischer Anforderungen zu erfüllen:

  • Stete Mobilität und Agilität in allen Lebenslagen zu garantieren,
  • höchste Schutznormen und damit Tonnen an Panzerstahl, Keramik und Glas zu schultern,
  • Langstreckenkomfort, Kommunikationsequipment und Schutzausrüstung zu verstauen
  • und dazu noch sichere Fahreigenschaften haben.

In sich bereits ein schwieriger Kompromiss, der durch Vorgaben des Flottenverbrauches und der öffentlichen Meinung weiter erschwert wird.

Und deshalb sind gepanzerte Fahrzeuge hier auszunehmen:

Genau wie ein Rettungswagen mit seiner wenig strömungsgünstigen Form und seinem hohen Gewicht, dient ein Sonderschutzfahrzeug der Erhaltung von Leben. Allgemeingültige Vorgaben für zivile Fahrzeuge sind hier realitätsfremd. Zusätzlich zu zivilen Fahrzeugen muss ein Extra an Anforderungen erfüllt werden:  

  • Die Not, „schnell“ aus einer Gefahrensituation zu entkommen, ist essentiell und oft ebenso wichtig wie hohe Panzerungsstufen. Mobilität und Agilität ist hier vor allem durch leistungsstarke Motoren mit modernen Antriebskonzepten zu erreichen.
  • Bei gut koordinierten Angriffen oder hinterlistigen Sprengstoffanschlägen bleibt dennoch eine moderne Schutzzelle, getestet nach neuesten Normen, unverzichtbar. Religiöse, rechte/linke und andere fanatische Gruppierungen handeln ohne Rücksicht auf Umwelt und Nachhaltigkeit. Es steht einzig das Anschlagsziel im Fokus. Die Hersteller arbeiten im eigenen Interesse an einer Gewichtssenkung ihrer Schutzzellen, allerdings sind hier enge technische und physikalische Grenzen gesetzt. Kleinere Mittelklassefahrzeuge wie Golf, Prius, Tesla, C-Klasse sind konstruktiv nicht in der Lage, die hohen Gewichte in Kombination mit ausreichend Strukturstärke, Platz und Agilität zu verbinden.
  • Für viele Schutzpersonen ist der Dienstwagen ein rollendes Büro, Zeit ist rar und muss genutzt werden, auch während der Fahrt. Um vernünftig lesen, telefonieren und konzentriert arbeiten zu können, muss ein Schutzfahrzeug einen annehmbaren Langstreckenkomfort mitbringen. Kann ein Fahrzeug dies nicht leisten, wird es nicht genutzt oder gar durch Inlandsflüge ersetzt. Eine denkbar schlechte Alternative.
  • Fahrzeuge mit hohem Gewicht, aber kurzen Radständen, sind tückisch und schwer beherrschbar in Gefahrensituationen. Starkes Unter- bzw. Übersteuern im engen Grenzbereich ist die Folge. Der Grund ist einfachste Physik und die Kombination aus Hebelwirkung bei hohem Schwerpunkt. Am fahrstabilsten, besonders in Grenzsituation, bewegen sich nach wie vor Allrad-Limousinen mit langem Radstand.

 

War es das also?

Nein, auch bei Sonderschutzfahrzeugen kann die Nachhaltigkeit und Umweltbilanz deutlich gesteigert werden. Die aktuelle Debatte um Elektrofahrzeuge und deren Herstellung zeigt, es muss auch hier die gesamt Umweltbilanz betrachtet werden.

1. Wer billigen Schrott kauft, kauft doppelt.

Die Herstellung von Schutzfahrzeugen erfordert enorme Mengen an Stahl, Glas und Kunststoff, also Energie. Minderwertige oder praxisuntaugliche Schutzfahrzeuge haben eine deutlich geringere Nutzungsdauer als zertifizierte, hochwertige Exemplare. Fahrzeuge mit schlechter Energiebilanz, aber hohen Produktionskosten, sollten immer so lange wie möglich genutzt werden. Eine verlängerte Nutzungsdauer gepaart mit gezieltere Beschaffungsvorgaben und weitsichtiger Planung verringert hier die Umweltbelastung enorm. Der Wunsch der Automobilkonzerne, stets das passende und frische Markengesicht mit umherzufahren, ist deshalb längst veraltet und entspricht nicht mehr dem nötigen Zeitgeist. Insbesondere, da auch moderne Technik in ältere Fahrzeuge nachgerüstet werden kann.

2. Repariere, repariere….

Ist ein Fahrzeug in die Jahre gekommen und hat seine durchschnittlich 4-5 Erdumrundungen hinter sich, wird es Zeit für etwas Neues. Die meisten Sonderschutzfahrzeuge werden sogar deutlich früher ausgemustert. -- Völlig unnötig.

Sowohl Schutzklassen als auch Fahrzeugperipherie sind meist noch auf aktuellen Niveau und der Kauf eines neuen Modells wird nur durch die schicken LED Scheinwerfer oder das nun schnellere Verbinden des Smartphones zu rechtfertigen sein. Eine verheerende Nachhaltigkeitsbilanz. Hochwertig gepanzerte Fahrzeug können nach 4 Erdumrunden wieder fit für neue Wege gemacht werden. Eine Generalüberholung spart Geld, Zeit und schont Ressourcen. Wir selbst betreuen Fahrzeuge mit Laufleistungen von über 500.000km!

3. Training

Übung macht den Meister, auch im Thema Nachhaltigkeit. Fahrer von Schutzfahrzeugen, die regelmäßig praktische und technische Trainings bekommen, fahren nachweislich materialschonender und verbrauchseffizienter. Flottenmanager, die Ihren „Panzer“ und seine Eigenheiten im Detail kennen, sparen bei Ersatzteil- und Reparaturkosten. Nicht zuletzt Beschaffungsteams, die sich trauen über den täglichen Tellerrand zu blicken und offen für neue Ansätze im Flottenmanagement sind, machen ganze Fahrzeuge überflüssig.

Es sind also deutliche Einsparungen möglich, die erreicht werden können und sollten. Einbußen an Sicherheit zugunsten eines geringeren CO₂-Ausstoßes sind nicht praktikabel. So wird auch in Zukunft die Feuerwehr mit schwerem Gerät im großen spritfressenden LKW zum Einsatz kommen, einfach weil es die Situation erfordert und es aktuell keine besseren technischen Lösungen gibt. Hier sind weiterhin innovative Lösungen der Hersteller gefragt.

Und noch ein ganz anderer Ansatzpunkt: Wenn es die Sicherheit (oder das eigene Sicherheitsempfinden) zulässt, zeigen bereits heute etliche Politiker und gar Ministerpräsidenten, dass der Weg ins Parlament durchaus auch mit dem Fahrrad bewältigt werden kann.